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Sicherheitsbestand berechnen: Formel, Beispiel und Rechner
Der Sicherheitsbestand puffert Schwankungen im Bedarf und in der Lieferzeit ab. Zu wenig führt zu Fehlmengen, zu viel bindet Kapital. Hier finden Sie die Standardformel, einen Rechner und die Stellen, an denen die Formel in der Praxis danebenliegt.
Sicherheitsbestand und Meldebestand ausrechnen
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Die Formel
Wenn sowohl der Bedarf als auch die Wiederbeschaffungszeit schwanken:
Sicherheitsbestand = z × √( L × σB² + B² × σL² )
- B: durchschnittlicher Bedarf pro Periode, z. B. pro Woche
- σB: Standardabweichung des Bedarfs pro Periode
- L: Wiederbeschaffungszeit in Perioden
- σL: Standardabweichung der Wiederbeschaffungszeit
- z: Sicherheitsfaktor für den gewünschten Servicegrad (Tabelle unten)
Ist die Lieferzeit verlässlich (σL = 0), vereinfacht sich das zu z × σB × √L. Der Meldebestand, bei dem nachbestellt wird, ist der erwartete Bedarf während der Lieferzeit plus Sicherheitsbestand: B × L + Sicherheitsbestand.
| Servicegrad | z |
|---|---|
| 90 % | 1,28 |
| 95 % | 1,64 |
| 97,5 % | 1,96 |
| 98 % | 2,05 |
| 99 % | 2,33 |
| 99,5 % | 2,58 |
Beispiel
Ein Artikel wird im Schnitt 100 Stück pro Woche verkauft, mit einer Standardabweichung von 30 Stück. Der Lieferant liefert verlässlich in 2 Wochen. Ziel: 95 % der Bestellzyklen ohne Fehlmenge.
- Sicherheitsfaktor
Für 95 % ist z = 1,64.
- Sicherheitsbestand
1,64 × 30 × √2 ≈ 70 Stück.
- Meldebestand
100 × 2 + 70 = 270 Stück. Fällt der Bestand darunter, wird bestellt.
- Mit schwankender Lieferzeit
Schwankt die Lieferzeit zusätzlich um eine halbe Woche, steigt der Sicherheitsbestand auf 1,64 × √(2 × 30² + 100² × 0,5²) ≈ 108 Stück. Unzuverlässige Lieferanten kosten oft mehr Bestand als schwankende Nachfrage.
Wo die Formel in der Praxis danebenliegt
- Sie rechnet mit der Schwankung des Bedarfs, nicht mit dem Fehler Ihrer Prognose. Entscheidend ist, wie weit die Planung danebenliegt. Wer Saison, Aktionen und Trends gut vorhersagt, hat einen kleineren Fehler und braucht weniger Puffer.
- Sie setzt normalverteilten Bedarf voraus. Im Großhandel ist Nachfrage oft sprunghaft: einzelne Großaufträge, viele Wochen ohne Abverkauf. Dort unterschätzt die Formel den nötigen Puffer oder überschätzt ihn bei ruhigen Artikeln.
- Servicegrad ist nicht gleich Lieferbereitschaft. Die Formel steuert die Wahrscheinlichkeit, in einem Bestellzyklus gar keine Fehlmenge zu haben (α-Servicegrad). Der Anteil sofort lieferbarer Menge (β-Servicegrad) liegt meist höher. Für die Bestandsplanung ist er oft die bessere Zielgröße.
- Pauschale Faktoren für alle Artikel verschenken Geld. Schnelldreher, Sporadiker und Aktionsware brauchen unterschiedliche Regeln.
Bessere Prognose, kleinerer Puffer.
In einer Simulation mit echten Daten eines Großhändlers braucht ein Machine-Learning-Modell 16 % weniger Lagerbestand für dieselbe Lieferbereitschaft als der gleitende Durchschnitt. Der Sicherheitsbestand wird dort aus dem Prognosefehler jedes Verfahrens berechnet.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Sicherheitsbestand, Meldebestand und Mindestbestand?
Der Sicherheitsbestand puffert Unsicherheit ab und sollte im Normalfall nicht angegriffen werden. Der Meldebestand ist der Bestand, bei dem nachbestellt wird: erwarteter Bedarf in der Lieferzeit plus Sicherheitsbestand. Mindestbestand wird oft gleichbedeutend mit Sicherheitsbestand verwendet.
Welchen Servicegrad sollte ich wählen?
Das hängt davon ab, was eine Fehlmenge kostet. Für A-Artikel und wichtige Kunden sind 97 bis 99 % üblich, für C-Artikel reichen oft 90 %. Jeder zusätzliche Prozentpunkt kostet überproportional mehr Bestand.
Wie ermittle ich die Standardabweichung des Bedarfs?
Aus den Absatzmengen der letzten 6 bis 12 Monate in derselben Periode wie die Lieferzeit, etwa Wochenwerten. In Excel mit STABW.S. Besser ist die Standardabweichung des Prognosefehlers, also der Abweichung zwischen geplanter und tatsächlicher Menge.
Wie oft sollte der Sicherheitsbestand neu berechnet werden?
Mindestens quartalsweise und nach jeder größeren Änderung bei Lieferant, Sortiment oder Saison. Automatisiert lässt sich das wöchentlich für alle Artikel rechnen.
Sicherheitsbestände für alle Artikel richtig setzen
Sie möchten Sicherheitsbestände nicht pauschal, sondern pro Artikel aus Ihrer echten Prognosegüte berechnen? Im kostenlosen Datencheck sehe ich mir Ihre Daten an und sage Ihnen ehrlich, was sich holen lässt.